Axel PörschkeUm euch den Musiker Axel Pörschke etwas näher zu bringen, haben wir einfach an dieser Stelle eines seiner zahlreichen Interviews mit den Musikermagazinen der Welt abgedruckt.

Mit freundlicher Genehmigung von “The international Tele-Star; Ausg. 02/09”.

 

Tele-Star: Seit wann spielst du Gitarre?

Axel: Genaugenommen so seit 1974 oder ‘75.

Tele-Star: Da warst du drei oder vier, warst du so etwas wie ein Wunderkind???

Axel: Davon war ich wohl weit entfernt! Nein, ich bekam damals von meiner Tante eine rote Spielzeug-E-Gitarre zu Weihnachten geschenkt. Mit dieser Gitarre habe ich als One-Man-Suzie-Quattro-Coverband meine ersten Gigs vor ausgewähltem Publikum absolviert. Warte mal, ich habe sogar zufällig ein Foto von damals dabei. Das hat mein Bruder auf dem besagten Weihnachtsfest von mir geknipst.  Ein paar Jahre später sah ich erstmals den namhaften Gitarristen einer australischen Gleich- und Wechselstromband, der sich mein damaliges Bühnenoutfit zum eigenen Markenzeichen gemacht hat. Das Leid eines Trendsetters... Noch lange dachte ich, E-Gitarren seien generell aus Plastik, ich war schon verwundert, beim Antesten der ersten Klampfen, dass fast ausnahmslos alle, selbst die ganz bunten aus Holz sind! lacht...

Tele-Star: Wann ging es denn nun richtig los bei dir?

AxelAxel: Richtig los ging es erst zehn Jahre später. Zunächst mit geliehener Konzertgitarre in der Kirchengitarrengruppe. Danke für diesen guten Morgen... Das war auch schon das Ende meiner Karriere als Gitarrenschüler. Beim Herrn Pastor klang das nämlich alles recht wenig nach rock’n’roll und Mädels ließen sich auf diese Weise schlichtweg gar nicht abschleppen. So musste schleunigst eine Band her. Jeden Freitag Nachmittag waren wir fortan Rockstars. Die Jungs von Abraxas probten auch an unserer Schule und wurden von uns kritisch und natürlich auch neidisch beobachtet. Die hatten ja schon eigene richtig laute Amps! Meine Verstärkung bestand zu der Zeit aus einem Schallochmikrofon und einem Elta Phonoverstärker aus der Musiksammlung unserer Schule. Das klang zwar irgendwie schon einigermaßen nach rock’n’roll, aber der Damenbesuch ließ immer noch auf sich warten.

Tele-Star: Du sprichst die Zeit in deiner ersten Band The Atomics an...

Axel: ... Ja und wir waren ausgesprochen radioaktiv. Vor uns war nichts sicher: Wir entweihten “Smoke on the water” mit “Einfingersuchsystem” auf der E-Saite, vergingen uns über ein Jahr wöchentlich an “Let it be” und machten auch vor unbekannteren Beatles-Schätzchen, wie “Maxwells silver hammer” nicht halt. Zu dieser Zeit haben wir eines Nachmittags unseren ganzen Mut zusammen genommen und sind in den Klassenraum gegangen, in dem die Abraxas-Jungs probten. Nachdem sie einen Song beendet hatten, zollten wir ehrfurchtsvoll Beifall, woraufhin Sven seine Bandkumpels abfällig fragte:”Was wollen die denn hier?” Das war ein relativ unhöfliches Signal für uns endlich Leine zu ziehen und diese arroganten Heinis nicht weiter zu beehren. Dass daraus doch noch eine so enge Freundschaft entstehen konnte, mag daran gelegen haben, dass man uns als Abnehmer für ausgemustertes Equipment entdeckt hatte (lacht). Congas, Mischpulte, Bodeneffektgeräte, Röhrentops, Bassamps... wechselten ihre Besitzer.

Tele-Star: Das war dann aber schon, als du bei deiner nächsten Band Cascara gespielt hast, oder? In dieser Band hast du nach dem Ausscheiden eurer Sängerin die Main-Vocals übernommen. Wäre das für dich auch in Zukunft reizvoll, gesanglich wieder mehr in den Vordergrund zu treten?

Axel: Da sage ich ganz klar nein danke! Live eine gute Gitarre zu spielen und Main-Vocals zu singen ist der pure Stress. Da beneide ich Sven keine Sekunde drum. Die Zeit bei Cascara nach unserer Sängerin war für mich gesanglich sehr wichtig, um die eigene Stimme zu finden und sie zu sichern. Ich möchte diese Erfahrung nicht missen, auch live als Frontman bestanden zu haben, aber gesanglich habe ich als Backgroundsänger zusammen mit Holger meinen Lieblingsspielplatz gefunden. Bei Abraxas sind die Backings ja ein wichtiges Stilmittel, von daher bin ich von meinen gesanglichen Ambitionen her vollständig ausgelastet.

Tele-Star: Wo liegen deine musikalischen Wurzeln?

Axel: Zunächst erstmal bin ich ein absoluter Beatle! Ich habe die späteren Beatles-Scheiben von “Pepper” über Revolver und “Abbey Road” bis “Let it be” als Zehn- Zwölfjähriger regelrecht in mich eingesogen. Was die damals gemacht haben, ist einfach unbeschreiblich. Diese Lust, sich auszuprobieren, weiterzuentwickeln, gepaart mit einer natürlichen spielerischen neugierigen Musikalität im Zusammenspiel zweier genialer Köpfe sucht bis heute seinesgleichen. Ich finde so etwas heute am ehesten bei Dave Grohl von den Foo Fighters wieder. Ich war dann allerdings, als ich anfing Gitarre zu spielen, sehr beeinflusst von den maßgeblichen 70er Hardrockbands, wie Purple, Whitesnake, UFO, Scorpions usw. Einfach coole langhaarige Rockmucke mit Schlaghosen und Plateauschuhen. Meine allererste Schallplatte habe ich mir  um 1982 herum gekauft: “The Beatles - Live at the Star Club”, eine unglaublich fies klingende Scheibe mit lauter Rock’n’roll-Standards, aus der Zeit, als John, Paul und Co. in Hamburg ihr Handwerk lernten. Später, eigentlich erst, nachdem ich mich mit Sven und Holger angefreundet hatte,  kamen Bands wie Hooters, Bryan Adams, Springsteen, Van Halen und auch “Fury in the S.” hinzu. Ich denke all diese Einflüsse sind es, die meinen Stil geprägt haben.

Tele-Star: Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Axel: Ich bin kein Virtuose, wollte ich auch nie sein. Sven hat da schon olympischere Ambitionen. Da Sven meist die Riffs und die Soli spielt, ist es mein Anliegen, neben seinem rhythmischen Fundament das zu spielen, was dem Song noch an Gitarre fehlt. Ich mache meine Ohren auf, fühle und spiele. Das ist eine coole Aufgabe, denn so hat man quer übers Griffbrett mal mehr, mal weniger zu tun, aber in jedem Lied die eine oder andere Hook beizusteuern. Auf der Suche nach der perfekten zweiten Stimme lande ich dann gerne mal bei Open-Tunings, die einem eine ganze Galaxie an neuen Möglichkeiten eröffnen oder auch bei Bottleneckgeschichten. Seit einigen Jahren machen wir etwas, das für mich lange verpönt war: Wir benutzen einen Capo und unser Gitarrensound geht deutlich in die Breite und Tiefe. Früher hatte ich die Einstellung, Capos seien nur für spackige Wandergitarristen gedacht, damit sie die Songs nicht in der Originallage singen müssen.

Tele-Star: Neulich las ich, du seist Linkshänder, du spielst die Gitarre aber wie ein Rechtshänder. Wie kommt’s?

Axel: Soll ich dir mal was verraten? Ehrlich gesagt wundert es mich, dass Rechtshänder die Gitarre so herum spielen, wie ich! Als Anfänger hat man wohl doch eher Schwierigkeiten, die Akkorde zu greifen, statt mit dem Plektrum über die Seiten zu schrubben. So war es für mich nur normal, die kompliziertere Arbeit die Hand tun zu lassen, die sowieso geschickter ist. Schon auf dem Hosenscheißer-Foto da oben habe ich mich für diese Gitarrenhaltung entschieden. Vielleicht ist mir allerdings dadurch eine Karriere als fingerpickender Cowboy-Country-Klampfer durch die Lappen gegangen. lacht...

Tele-Star: OK, das entbehrt natürlich nicht einer gewissen Logik, ich glaube ich besorge mir morgen eine Linkshändergitarre! Spaß beiseite,  was unsere Leser natürlich immer brennend interessiert ist die Frage nach deinem Fuhrpark. Lass uns mal dein Equipment unter die Lupe nehmen.

Axel: Ach Herrje! Nun kommt der Interviewteil für die Gitarrenpolizei! Akustisch spiele ich eine 94er Takamine, die mir schon die ein oder andere Stunde versüßt hat. Vor einigen Jahren habe ich begonnen, auch Mandoline zu spielen. Ich bin froh, dass ich hierfür jetzt mit meiner Ovation ein ordentliches Instrument gefunden habe, die sowohl trocken, als auch verstärkt traumhaft klingt. Dann wären da noch auf dem elektrischen Sektor meine erste Gitarre aus Atomics-Zeiten, eine mittlerweile sehr verbastelte Kawai Performer, meine Grüning Tele, eine Swamp-Ash-Telecaster mit dem genialen Duncan P-Rail am Steg, eine selbstzusammengeschraubte schwarze Hardtail-Strat und seit neuestem eine halboffene PRS Soapbar, die ich mir mit Sven zusammen gekauft habe. Wenn du mich nach meiner Lieblingsgitarre fragst, schwankt das zwischen der Tele, die sehr warm und druckvoll klingt und mich jetzt seit über 20 Jahren begleitet und der Strat, deren Klarheit und Bespielbarkeit ich sehr schätze. Die PRS hat einen sagenhaften vollmundigen Soloton mit einer bemerkenswerten Saitentrennung.

 

Tele-Star: Ich habe dich seinerzeit im Marx in Hamburg mit einer roten Framus Jazzgitarre gesehen...

 

Axel: ... Ach du meinst “Onkel Günter”! Onkel Günter ist eine 62er Framus Rivera, die ich in einer Sonntagnachmittag-Hauruck-Aktion am Steg mit einem PAF-Pro verheiratet habe.

 

Tele-Star: Du fräst Löcher in Vintage-Instrumente? Und wieso am Steg, das ist doch für Jazzgitarren eher untypisch!

 

Axel: Am Steg deshalb, weil es aufgrund des Shapings der Decke am Hals nicht ging, so einfach ist das! Die Klampfe hat richtig Feuer, allerdings schaukelt sich in dem hohlen Korpus auch gerne das ein oder andere Feedback auf, so dass ich sie Live nur schwerlich einsetzen kann. Vielleicht muss ich sie von innen noch mit Bauschaum verfüllen... (lacht)

 

Tele-Star: ...Natürlich... Als Verstärker spielst du nach einer langen Marshall-Ära einen 15 Watt Blackheart “Handsome Devil”. Tut der denn genug raus?

 

Axel: Wir haben wirklich keinen leisen Drummer und müssen auch bei den Proben dementsprechend ordentlich aufdrehen, aber ich spiele den Amp auf fünf nach zwölf, habe also sogar noch Reserven! Und der Sound ist erste Sahne, warme Endstufenzerre satt. Das bieten dir 50 Watter nur, wenn du sie bis zum Hörsturz aufdrehst. Live habe ich ihn jetzt auf ein paar Club-Gigs gespielt, auch da macht er eine absolut überzeugende Figur. Kein Stück zu leise, einfach genau richtig. Aber frag’ nicht, wie lange ich auf die Kiste gewartet habe... Ein Jahr nach Ankündigung der baldigen Auslieferung war der Amp immer noch nicht in den Läden, aber die Wartezeit hat sich echt gelohnt! Erst kürzlich habe ich einen Mercury Magnetics Ausgangsübertrager einbauen lassen. Da ging wirklich nochmal richtig die Sonne auf. Mehr Headroom mehr klangliche Tiefe.

 

Tele-Star: Wie sieht’s aus mit Effekten? Oder gehst du pur ins Top?

 

Axel: Nee so ganz auf Schnickschnack kann ich auch in meinem hohen Alter noch nicht verzichten. Ich mal das mal für die Kids da draußen auf. Falls ihr meinen Sound kopieren wollt, hier die Einkaufsliste! (lacht) Das Signal durchwandert den Boss-Bodentuner, um dann vom Fulltone eine cremige Zerre zu kassieren. Für cleane Chorus-Delay-Sounds schließen sich ein MXR “Carbon Copy” Delay und ein Boss Chorus an. Meinen Solo-Boost gewinne ich aus dem sehr empfehlenswerten, handgeschmiedeten MXR-Micro-Amp-Clone von “Amp” (german engineering - Ebay).  Das in Verbindung mit dem Blackheart reicht zum Glücklichsein!

 

Tele-Star: Auf den Fulldrive 2 habe ich auch länger schon ein Auge geworfen..., aber kommen wir zur abschließenden Frage: was schätzt du an deinen Bandkollegen in musikalischer Hinsicht besonders?

Axel: Holli ist ein brillianter Techniker mit einem wirklich guten Ton und einem sicheren Gespür für Grooves. Sven meint Holli sei der beste Bassist der Welt. Früher dachte ich, das sei ziemlich übertrieben, heute weiß ich, dass das nicht besonders weit von der Wahrheit entfernt ist. Uli ist musikalisch sowohl geschmacklich als auch technisch extrem vielseitig, spielt scheinbar mühelos Schlagzeug, Percussion, Keyboards und Akkordeon. Ohne Uli hätten wir beim Abmischen und Mastern von “the Road” niemals einen qualitativ so hochwertigen Sound hingefummelt. Sven ist ein leidenschaftlicher, mitreißender Gitarrist. Seine Töne stehen wie eine 1, egal über welchen Amp er spielt! Er hat selbst in jungen Jahren schon wunderbare Lieder komponiert und hat noch einige in Petto, die ihn scheinbar so anfliegen und durch ihn zur Vollkommenheit reifen. Es kommt leider hin und wieder  vor, dass wenn ich eine super Gitarrenstimme zu einem Riff entwickelt habe, dass Sven auch eine Idee hat, die man neidlos als die Bessere anerkennen muss. Ulrich ist ein absoluter Bauchmusiker! Sobald er über sein Spiel nachdenkt, wird’s sportlich. Aber ist er gut drauf, ist es eine wahre Wonne auf seinem kraftvollen Puls durch die Songs getragen zu werden.

Tele-Star: Danke für das nette Gespräch.

Axel: Gerne wieder, Tschüß!