Lexikon der Rockmusik:  Hallo Holger.

Holger Sieck: Hi. Schön das du dir Zeit genommen hast um mehr über die Geschichte von ABRAXAS zu erfahren, um sie deinen Lesern mitzuteilen.

LdR:  Der Artikel heißt „Vor ABRAXAS gab es BANDWURM... und davor?“. Unsere Leser interessiert es, wie ihr auf den Namen BANDWURM gekommen seit.

H.S.: An die Namensfindung kann ich mich seltsamerweise noch gut erinnern. Also 1982. Da war ich 15. Die Zeit der Briefchen im Unterricht - Wer liebt Wen und Wann und Wie - war zwar schon lange vorbei wurde aber zwecks Namensfindung wieder kultiviert. Zu dieser Zeit war die Band sowieso wichtiger als alles schulische. Mit Sven, Ulli und Stefan in einer Klasse nutzten wir die Schulstunden zum musischen Brainstorming. In den Pausen wurden dann der Gruppenraum zum Musik machen genutzt...

LdR:  Ihr habt während der Schulpause Musik gemacht? Gab es da keine Probleme mit der Lautstärke?

H.S.: Ne, ne. Das war alles eher ein Happening als richtige, konzentrierte Bandarbeit. Wir hatten noch keine richtige Verstärkung. Stefan hatte Bongos deponiert. Sven hatte nur so ’ne kleine Furzkiste mit E-Gitarre und Lars hatte erst später einen Amp. Meine Verstärkung kam auch erst später dazu und gesungen wurde ohne Micro. Es war alles etwas spärlich aber wirkungsvoll. Den Mädels hat es gefallen.

LdR: ...wie war das mit den Briefchen?

H.S.: Wir hatten einige Namen zur Auswahl und stellten sie zur Diskussion. Ich erinnere mich an Selection, Out of phase, Cuba libre und eben Bandwurm. Letzterer ist es dann geworden. BANDWURM passte, zumindest namentlich, in die damalige Zeit der NDW (neue, deutsche Welle, Anm. d. Red.). Sven kam gleich auf die Idee diesen Namen zu visualisieren und klebte eine Kordel auf seinen braunen Gitarrenkoffer. Der Koffer existiert immer noch. Klebereste des Wurms sind sogar auch noch zu erkennen.

LdR:  Diesen Namen habt ihr nicht lange behalten. Anfang 1983 wird ABRAXAS kreiert. Keine Lust mehr auf NDW?

H.S.: Na, ja! Fakt ist, das wir den Namen doch nicht passend zu unserer Musik fanden. Mit NDW hatten wir musikalisch nichts zu tun und konnten uns mit BANDWURM nicht mehr identifizieren.

LdR:   Es gibt Gerüchte, das ihr euch nach der gleichnamigen Platte von SANTANA benannt habt.

H.S.: Ne, ne! SANTANA ist unserer Musik genauso ähnlich wie der Weihnachtsmann dem Osterhasen. Das es so eine LP gibt (Langspielplatte, Anm. d. Red.) haben wir erst später erfahren. Unsere Wurzeln hatten wir schließlich in anderen Musikstilen.

LdR:  Dann gibt es noch das Gerücht mit dem Wörterbuch...

H.S.: ...welches sehr nah an der Wahrheit ist. Kurz gesagt, es geschah an einem abendlichen Treffen bei unserem Englischlehrer. Es wurde viel hin und her diskutiert. Ich weiß nicht mehr wer auf die Idee gekommen ist, aber zu später Stunde hatten wir ein Wörterbuch in Griechisch vor uns liegen. Flugs war die erste Seite aufgeschlagen und wir fanden ABRAXAS. Und was man nicht außer Acht lassen darf, wenn sich ersteinmal der Erfolg einstellt, würden wir zwischen ABBA und AC/DC im Plattenregal zu finden sein. Das ist doch ein schlagendes Argument.

LdR:  Also eine pragmatische Entscheidung.

H.S.: Wir suchten schon nach einem geeigneten Namen. ABRAXAS passte gut zu unserem Sound. Rauh und kernig. Aber sind wir mal ehrlich. Mit „Milchkuh“ kann man genauso viel oder wenig Platten verkaufen wie mit „Rolling Stones. Wenn man erst einmal Erfolg hat ist der Name wurscht. Entscheidend ist, das man sich als Musiker mit seinem Bandnamen identifizieren kann und er im Einklang steht mit dem was man als Musiker ausdrücken und wie man sich darstellen will.

LdR:  Also doch nicht ganz so pragmatisch.

H.S.: Bei einer Band mit Namen „Milchkuh“ will ich natürlich nicht spielen. Ich meine, das  man nicht zu viele unnötige Diskussionen führen und sich auf das wesentliche konzentrieren sollte. Nämlich, sich den Spaß zu erhalten mit Freunden in einer tighten Band richtig gute Musik zu machen und den Zuhörern mit einem fetten Sound und einer gute Performance ordentlich einzuheizen. Wie sagte einmal mein Cousin Eric: „ABRAXAS kicks ass!“ That’s real.

LdR:  Das ist schönes Schlußwort. Vielen Dank für dieses Gespräch.

H.S.: Es war mir ein Vergnügen.