Als Redakteur der Zeitschrift „Taste“ traf ich Uli Böttger zwischen zwei Gigs der derzeit laufenden „The Road“ Tour. In bester Laune sitzt mir der Keyboarder der Band Abraxas gegenüber.

Taste: Erzähl’ doch mal, wie Du zur Musik gekommen bist.

U.B.: Angefangen hat alles im zarten Alter von 15 Jahren. Zwei Freunde von mir, Sven und Holger, fingen damals an, zusammen Musik zu machen. Kurz danach kam dann Stefan als Schlagzeuger dazu. Ich war natürlich schwer beeindruckt und wollte unbedingt mit dabei sein. Das einzig wirklich coole Instrument war natürlich das Schlagzeug.

Taste: Moment mal, ihr hattet doch schon einen Schlagzeuger!

U.B.: Stimmt. Eine Band mit zwei Schlagzeugern ist wirklich selten. Natürlich könnte ich jetzt von künstlerischen Aspekten lamentieren, aber die Wahrheit ist schlicht und einfach ein andere: Wir waren beide absolute Anfänger und als solche haben wir dauernd irgendwelche Breaks verbaselt, Sticks verloren und bestimmte Parts vergessen. Aber wenn sich einer von uns versemmelt hat, fiel das nicht so auf, weil der andere Drummer ja noch weiterspielte!

Taste: Aber später bist Du dann auf Percussion umgestiegen….

U.B.: Na ja, die Sache mit zwei Drummern war zwar ganz witzig, speziell das Drum-Solo war schon ganz nett. Aber irgendwann gab es dann ziemlich genau vier Probleme..

Taste: Vier ?!?

U.B.: Genau: Stefan war erstens ein sehr lauter Dummer, zweitens ein sehr guter Drummer, drittens ein sehr dominanter Drummer und viertens hat er sich nie an Absprachen gehalten, wer wann welche Breaks spielen soll ! Irgendwann passte es dann nicht mehr mit zwei Drummern, daher fiel nach einiger Zeit mein Entschluß, auf Percussion umzusteigen. Rockmusik mit Percussion, das ganze hatte irgendwie einen Hauch von BAP. Leider hatte hatte ich irgendwann das gleiche Problem wie Schmal (Schmal-Boecker, ehemaliger Percussionist von BAP, Anm. d.Red.). Die Musik wurde mit ihren zwei Gitarren immer rockiger und lauter, und somit wurde es zunehmend schwieriger, gute Percussion-Parts zu finden. Wenn irgendwann nur noch Tambourin und Cowbell übrig bleiben, weil Congas und Bongos im Gitarrenlärm völlig untergehen, wird es halt schnell langweilig.

Taste: Daher kam dann auch Dein Entschluss Keyboard zu spielen?

U.B.: Genau. 1987 wurde das 1. Keyboard angeschafft: Ein Crumar Bit 99, Made in Italy! Ich hatte damals rein gar keine Ahnung, was nun angesagt war und was nicht. Der Bit 99 war nicht allzu teuer und war zum Üben ganz ok. Nach relativ kurzes Einarbeitungszeit habe ich die Kiste dann in den Proberaum geschleppt und versucht, einige brauchbare Keyboard-Stimmen zu finden.

Taste: Ging die Umstellung auf Keyboard denn relativ schnell über die Bühne?

U.B.: (grinst) Na ja, am Anfang klang es noch recht mäßig. Ich habe am Anfang eigentlich meistens nur die Harmonien mitgespielt. Und wenn ich nicht mehr so recht weiterwusste habe ich ganz unauffällig das Volumen runtergedreht.

Taste: Was gibt es zu Deinem Equipment zu sagen?

U.B.: Ich habe lange gebraucht um zu kapieren, daß es nicht darauf ankommt, immer den neuesten Synthie zu haben oder mit Samplern irgendwelche angesagten Sounds zu imitieren. Damals habe ich andauernd irgendwelche neuen Synthie’s gekauft. Ich hatte z.B. einen Yamaha DX7 (wer hatte den nicht?), diverse FM-Expander, einen Roland S330-Sampler, einen Roland D-50, einen Ensoniq SD-1, einen Alesis QS-7 und ein unerträglich schlechtes Casio-Keyboard. Richtig nett fand ich  die Korg M1 Workstation. Gerade die drahtigen Piano-Sounds hört man noch bis heute auf diversen Produktionen. Am längsten gehalten hat sich ein Yamaha P-100 Digitalpiano. Erst als mir vor kurzen ein Roland VR-760 mit wirklich ausgezeichneten Piano-Sounds gekauft habe, entschloss ich mich dazu, das P-100 zu verkaufen.

Taste: Noch ein Wort zu Computer-gestützter Musik?

U.B.: Die Möglichkeiten, die einem virtuelle Synthi’s, Sequenzer usw. heutzutage bieten sind wirklich enorm. Ich habe nur bei der ganzen Spielerei am Rechner festgestellt, dass es mir immer noch am meisten Spaß macht, mich einfach an meinen Roland zu setzen und vor mich hin zu klimpern. Ich versuche meine Musik-Software so weit zu nutzen, dass die Kreativität gefördert wird, aber die eigentliche Musik nicht durch Soundbastelei in den Hintergrund tritt.

Taste: Wie sind Eure beiden CD-Produktionen gelaufen?

U.B.: Die erste CD wurde auf einem 8-Spur Recorder aufgenommen und klang insgesamt noch sehr brav. Zu allem Überfluß wurde die Aufnahmen während des Masterns durch das Tonstudio noch „totkomprimiert“. Bei der zweiten CD haben wir aus unseren Fehlern gelernt und alles selbst in die Hände genommen.  Ich denke, dass das Resultat den Vergleich zu anderen Bands nicht zu scheuen braucht. Die Arbeit die wir dort ´reingesteckt haben, findet sich in der Liebe zum Detail an vielen Stellen wieder. Das gilt sowohl für die eigentlichen Aufnahmen, als auch für den Produktionsvorgang.

Taste: Wo siehst Du die Band in den nächsten Jahren?

U.B.: Ich hoffe sehr, dass wir in den nächsten Jahren mehr Zeit für eigene Musik finden. Die Covermucke hat sich in den letzten Jahren doch sehr in den Vordergrund gedrängt. Als „Grundlast“ sind die Covergigs in Ordnung, aber in der eigenen Musik ist man einfach tiefer verwurzelt. Es würde mich außerdem sehr reizen mal eine Unplugged-CD zu machen. Vielleicht könnte man mal wieder ein paar Congas und ein Akkordeon organisieren. Auf „The road“ haben wir diese Instrumente bei den Studioaufnahmen auch eingesetzt. Live lässt sich das im bisherigen Rahmen leider nicht organisieren.

Taste: Noch eine letzte Frage: Wo nehmt Ihr nach so vielen Jahren immer noch die Motivation her?

U.B.: Musik bei Abraxas zu machen ist für mich eine gelungene Mischung aus konzentrierter Arbeit und Spaß. Letztendlich sind wir fünf Individuen und trotzdem eine Band. Meine Motivation ist im Laufe der Jahre sogar noch gewachsen. Früher war das Keyboard eher so eine Art „Randerscheinung“, es wurden brav die Harmonien mitgespielt. Mittlerweile sind die Keyboardstimmen ein fester Bestandteil der Songs. Ax und Sven haben sich zu einem tollen Gitarrenduo entwickelt, und Holger ist einer der kreativsten Bassisten die ich kenne. And last but not least: kein Drummer auf der Welt verliert auf so spektakuläre Art seine Sticks wie Ulrich !

Taste: Wir danken Dir für dieses Gespräch.