Wie lange habe ich versucht, für den „Trommler“ einen Interviewtermin mit Ulrich Döring, seines Zeichens Drummer der Hamburger Band ABRAXAS zu ergattern. Ein vielbeschäftigter Mann! Beim ersten Mal stellte sich das Management quer, dann war es die Heuernte, darauf ein Kurzurlaub, zuletzt das kaputte Dach, das dafür sorgte, dass ein bereits fest gebuchter Interviewtermin platzte. Doch nun traf ich ihn kürzlich auf einen Kaffee und Kirschkuchen auf seiner Rodeo-Ranch bei Itzehoe. Es wurde ein interessantes Gespräch über die Anfänge als Drummer und seine Sicht auf die Band, in der er seit rund 26 Jahren trommelt.

Trommler: Du kommst aus der Schleswig Holsteinischen Provinz. Woher kam der Entschluss Schlagzeuger zu werden?

Ulrich: Meine ersten Erfahrungen durfte ich auf dem Dorf in einer Gitarrengruppe machen. Schnell merkte ich, dass Musiker besonderes Augenmerk bei den Frauen finden. Also musste ich auf der Gitarre weiter machen

Trommler: Ok, dann schwand mit der Zeit das Interesse für die Mädchen und die Gitarre wanderte in die Ecke oder wie muss ich mir den Wechsel vorstellen?

Ulrich: Nein, auf Mädels stand ich schon weiterhin, zum Schlagzeug kam ich aber, wie das im Leben immer so ist, durch einen Zufall. Mein Vater war seinerzeit Maurer auf einer Baustelle in Rissen. Der Sohn des Hauses, an dem er arbeitete, verunglückte leider eines Tages schwer und konnte somit sein Schlagzeug nicht mehr bedienen. Kurzentschlossen kaufte mein Vater dieses Schlagzeug, das war ein Rogers Bj. Ende 60er. Nicht für seinen Sohn. Er wollte mit seinen 40 Jahren auf dem Puckel noch mal ein Instrument erlernen.Daraus wurde nichts, denn ich fing Feuer  und übernahm dieses Gerät 1977 und fortan begann meine Drummerkarriere im Keller unseres bescheidenen Siedlerhauses - Mädchen interessieren sich übrigens nicht nur für Gitarristen (lacht!).

Trommler: Du hast doch bestimmt nicht lange für dich alleine im Kämmerlein getrommelt oder?

Ulrich: Nein, es dauerte genau zwei Wochen bis die erste Band gegründet war! Das ging so in Richtung Endsiebziger Brit-Pop. Mit dabei waren Ralf Wilhelm am Bass und Gesang und Matthias Brorsen an der Gitarre. Dem Genre angemessen kaufte ich mir ich dann 1980, Steward Copeland entsprechend, mein nachtblaues Tama Imperialstar (24“, 12“, 13“, 16“), welches ich noch heute mit Begeisterung bediene. Nach der Brit-Pop Phase schlossen sich dann die Bands “Keen“, „Blues Train“, „Blue Note“ mit meiner Schwester Lydia Döring am Mikro und letztendlich 1987 ABRAXAS an.

Trommler: Erzähle unseren Lesern etwas von den ersten Bands.

Ulrich: Erste Erfolge hatte ich damals mit „Keen“. Dort spielte ich mit Stefan Otte, der die Gitarre bediente. Wir standen zur Eröffnung des Itzehoer Autokinos 1981 sogar als Vorband mit dem Panik Orchester und Udo Lindenberg auf der Bühne.Mit „Blues Train“ eroberten wir die Jugendzentren im Kreis. Ich wechselte zu  „Blue Note“. Einer der letzten Höhepunkte von „Blue Note“ war dann damals ein Konzert mit Heinz-Rudolf Kunze beim damaligen Rumpin‘&Stumpin‘ Festival in Itzehoe. Eine schöne Zeit.

Trommler: Wie bist du auf ABRAXAS gestoßen?

Ulrich: Ganz einfach, ich las eine Annonce 1987 im OXMOX. Die Überschrift lautete vollmundig “Rockband sucht semiprofessionellen Drummer“. Ziemlich ambitioniert für eine Band, die gerade der Schule entsprungen war. Da ich nach ca. einem Jahr Abstinenz langsam wieder hungrig wurde, ergriff ich die Initiative und stellte mich vor. Mit meinen stolzen 25 Jahren wurde ich dann der neue Taktgeber der damaligen Schülerband und konnte mich wieder meiner eigentlichen Vorliebe, dem Rock widmen. Die Chemie hat mit den Jungs sofort gepasst.

Trommler: Wie beurteilst du den musikalischen Weg, auf dem die Band wandelt?

Ulrich: Diese Band entwickelt sich spielerisch stetig weiter. Es werden gemeinsam immer wieder neue Ideen entwickelt, sei es auf der spielerisch-technischen Ebene, als auch in den Arrangements, die häufig im straighten Rock münden. Wo die Reise wirklich hingeht, ist aber dennoch offen.

Trommler: Du spielst jetzt seit 26 Jahren in ein und derselben Band. Was ist an Abraxas so geil?

Ulrich: Sobald der Song beginnt, läuft der Zug unaufhaltsam los, bis zum verabredeten Ende. Was dazwischen läuft, bleibt immer eine kleine Überraschung. Das ist nicht unbedingt gewollt, aber erhöht den Adrenalinspiegel ungemein. Dieses so zuzulassen, ohne viel zu murren, erhöht den Spaßeffekt ungemein und birgt enormes Potential für Neues und zeigt mir ein hohes Maß an Improvisationstalent aller beteiligten Musiker. Wenn es darauf ankommt, kann man sich auf jeden Einzelnen 100%ig verlassen. Dass sich hier eine tiefe unausgesprochene Freundschaft entwickelt hat, ist die Sahnehaube obendrauf. So, das reicht mir dann aber auch an Fragerei. Ich muss das gute Wetter ausnutzen und geh’ mal die die Fassade klinkern.. Horrido.

Trommler: Ich bedanke mich für das Interview und die Zeit, die du dir dafür genommen hast.